Gemeinsame Initiative von Bitkom und IG Metall

»IT 50plus« fordert Age Management

Nur sechs Prozent der IT-Experten in Unternehmen sind zwischen 50 und 65 Jahre alt. Das kann sich die Branche angesichts des hohen Bedarfs an IT-Fachkräften nicht mehr leisten. Die Initiative »IT 50plus« macht sich für langfristige Personalstrategien stark.

Schon ab 2010 wird jeder zweite Beschäftigte im ITK-Sektor über 40 Jahre sein. Beispiel SAP: Zurzeit liegt das Durchschnittsalter der SAP-Mitarbeiter in Deutschland bei 38,5 Jahren. 2015 könnte es schon bei 44,3 liegen.

Aber was passiert, wenn Belegschaften kollektiv altern? Wissenschaftliche Studien über die Arbeitssituation von älteren Beschäftigten zeigen heute vor allem eins: Ältere fühlen sich in der Arbeit wenig geschätzt, können ihr Know-how nicht richtig einsetzen, werden selten um Rat gefragt oder bei Entscheidungen hinzugezogen. Dies geht aus einer Befragung der IGS-Organisationsberatung von 130 Beschäftigten in IT- und Personalabteilungen im Alter von 50plus hervor. Das dürfte viele IT-Experten frustrieren.

Immer weniger hochqualifizierte junge IT-Experten

Dabei sind 50Plusler alles andere als unambitioniert oder lernfaul, wie die »Computerwoche« berichtet. 94 von ihnen würden sich im letzten Drittel ihrer Karriere gerne beruflich verändern. 70 Prozent wünschen sich, dass ihr Arbeitsplatz besser auf die Bedürfnisse Älterer zugeschnitten wird. Doch es mangelt vielfach an alternsgerechten Personalentwicklungs- und Arbeitszeitkonzepten, Weiterbildungsangeboten und Lernformen sowie Programmen zur Gesundheitserhalt für Ältere.

Die IT-Unternehmen müssen sich umstellen. Der Wettbewerb um die besten Talente wird für sie in Zukunft noch härter werden. Absehbar ist, berichtet Bernd Dworschak vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, dass zwar der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern in der IT-Wirtschaft weiterhin steigt. Tatsache ist aber, dass es künftig immer weniger hoch qualifizierte junge IT-Experten geben wird. Die Gruppe der Hochschul- und Fachhochschulabsolventen beispielsweise schrumpft deutlich. Langfristig kann dies problematisch werden, insbesondere wenn ein zweiter allgemeiner Trend nicht gestoppt wird: So nehmen seit einigen Jahren immer weniger Beschäftigte an beruflicher Weiterbildung teil.

Für Stephan Pfisterer vom Branchenverband Bitkom folgt daraus: »Die IT-Unternehmen müssen sich verstärkt um Hochschulabsolventen kümmern, mehr Fachkräfte aus der Arbeitslosigkeit und aus angrenzenden Bereichen rekrutieren und ihre Mitarbeiter durch neue Personalentwicklungsstrategien länger im Beruf halten.«

Genau darauf zielt die auf dem 3. IT-Gipfel Ende November 2008 von Bitkom und der IG Metall ins Leben gerufene Gemeinschaftsinitiative »IT 50plus«. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geforderte Projekt will bis 2011 im ITK-Sektor neue Ansätze eines langfristigen Age Managements auf den Weg bringen. Auf dem »Kick-Off«-Workshop der Initiative Anfang Dezember 2008 in Frankfurt zum Thema »Strategien für Personalentwicklung in der IT-Wirtschaft« wurden bereits einige Ideen präsentiert. Im Mittelpunkt stehen

• innovative Karrieremodelle, die veränderten Jobrollen älterer Beschäftigter besser entsprechen,

• Qualifikationsangebote für ältere IT-Fachkräfte,

• neue Lernformen und Möglichkeiten des Wissenstransfers und

• Präventionskonzepte zum Gesunderhalt älterer Beschäftigter.

Gegenwärtig ist die Initiative dabei, der IT-Wirtschaft – und hier insbesondere Klein- und Mittelbetrieben – kompetente fachliche Beratungsangebote zu unterbreiten und ein Informationsnetzwerk aufzubauen. Workshops und eine Internetplattform sollen die Aktivitäten begleiten und einen Erfahrungsaustausch ermöglichen.

Februar 2009

| nach oben | drucken | Stand: 02.03.2009