Der deutsche Markt stagniert

IT-Branche trotzt der Krise

Die IT-Branche kann sich trotz der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise behaupten. Allerdings ist der Trend nicht einheitlich.

Bisher scheint sich die Prognose des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) für das Jahr 2009 zu bestätigen: Demnach wird die IT-Wirtschaft stagnieren. Doch die Branche ist gespalten: Während bei Software und Dienstleistungen mit einem leichten Zuwachs zu rechnen ist, wird im Hardware-Sektor ein Rückgang erwartet. Und in der Telekommunikation wächst das Geschäft mit den Datendiensten, dagegen schrumpfen die Märkte für Telekommunikationstechnik und Sprachdienste.

Die Halbleiterbranche sehen die Experten eindeutig weiter auf Talfahrt: Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) rechnet für die hiesigen Anbieter damit, dass die Umsätze um über 20 Prozent einbrechen werden. Der Handy-Absatz soll nach Prognosen von Marktforschern um knapp ein Zehntel sinken.

Nach einer Studie im Auftrag vom »Handelsblatt« wollen 43 Prozent der Unternehmen ihre IT-Investitionen kürzen. Mehr als ein Drittel will seine Ausgaben allerdings erhöhen. Der Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, Achim Berg, warnte angesichts der gesunkenen Ausstellerzahlen auf der CeBIT seine Branche davor, Investitionen herunterzufahren: »Man kann sich auch kaputtsparen.«

Dass sich die Branche der Wirtschaftskrise nicht vollends entziehen kann, zeigt auch der Arbeitsmarkt: Während Bitkom Ende 2008 noch rund 45.000 offene IT-Stellen zählte, geht die »Computerwoche« mittlerweile nur noch von 10000 unbesetzten Arbeitsplätzen aus. Dabei seien Anwenderunternehmen sehr attraktive Arbeitgeber. Insgesamt befürchten Experten eher den Fachkräftemangel als eine Entlassungswelle.

IG Metall und Verdi gegen Entlassungen

Deutsche IT-Unternehmen sollen ihre Beschäftigten in der Krise fortbilden und nicht entlassen. Das fordern IG Metall und Verdi in einem 6-Punkte-Programm. Die Kurzarbeit sollte genutzt und mit Qualifizierung verbunden werden, um dem weiteren Fachkräftemangel vorzubeugen.

Auf diesen Aspekt ging auch Hans-Joachim Weis, IT-Experte des IG Metall-Vorstands, während einer Podiumsdiskussion der »Computerwoche« auf der CeBIT ein. Indem die Unternehmen ihre Mitarbeiter halten und schulen, schaffen sie sich gute Chancen: Denn nach der Krise brauchen sie die qualifizierten Fachkräfte. »Der Aufschwung kommtgewiss«, sagte Weis. »Wer heute in die Fortbildung seiner Mitarbeiter
investiert, kann sofort durchstarten, wenn eswieder aufwärts geht.«

Darüber hinaus verlangen die Gewerkschaften in ihrem 6-Punkte-Papier (www.igmetall-itk.de –> ITK-Arbeitsmarkt), Leiharbeiter besser zu schützen und die Weiterbildung insbesondere älterer IT-Profis zu stärken. Zudem sollten die IT-Unternehmen mehr Jugendliche ausbilden und unbefristet übernehmen. Für Fach- und Hochschulabsolventen solle dasStipendienangebot ausgeweitet werden, fordern IG Metall und Verdi.

Service für Beschäftigte in Krisenzeiten

• Das gemeinsame Projekt »IT50plus« der IG Metall und des Branchenverbands Bitkom hilft Beschäftigten und Unternehmen falls Kurzarbeit droht. Dieses arbeitsmarktpolitische Instrument mit beruflicher Qualifizierung zu kombinieren, gehöre zu den »Erfolgsstrategien in Zeiten der Krise«. Genauere Informationen bietet die Website www.it-50plus.org und ein dortiger Flyer zum Download.

• Aktuelle Informationen und Tipps für Beschäftigte liefern verschiedene Faltblätter, die der Bereich IT- und Elektroindustrie/Angestellte herausgegeben hat. Sie behandeln die Themen Aufhebungsvertrag, Beschäftigungssicherung, Firmeninsolvenz, Kündigung und Kurzarbeit (www.igmetall-itk.de –> Service –> Info-Blätter).

Mai 2009

| nach oben | drucken | Stand: 09.06.2009