Der Kompromiss war bereits am 3. Juli 2009 nach zähem Ringen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern vereinbart worden. Ihm mussten jedoch die gewerkschaftliche Tarifkommission aus IG Metall und Verdi und schließlich die stimmberechtigten Gewerkschaftsmitglieder in einer Urabstimmung zustimmen. Gut die Hälfte von ihnen akzeptierte das Ergebnis. Um den Streik weiter fortzusetzen, hätten 75 Prozent gegen die Einigung mit der Geschäftsleitung stimmen müssen.
Anfänglich zögerten noch viele EDS-Beschäftigte, das Ergebnis anzunehmen. »Natürlich hätten wir uns wegen der größeren Sicherheit tarifvertragliche Regelungen gewünscht«, sagte beispielsweise Betriebsrat Thorsten Ruhland aus Bremen. Auch in Rüsselsheim reagierten viele Beschäftigte zunächst skeptisch. Insbesondere an den Standorten, die geschlossen werden sollen - Essen, Köln/Bonner Straße, Leuna und Ludwigsburg - hielt sich die Euphorie in Grenzen: »Freunde hat niemand empfunden, denn immerhin wird unser Standort geschlossen«, so Manfred Dorn, Betriebsratsvorsitzender aus Leuna. »Aber Enttäuschung gab´s auch nicht. Alle hoffen, dass es doch noch weiter geht. Es gibt nämlich einen Interessenten für die Übernahme unseres Standorts.«
Mit der Zeit bekannte sich die Mehrheit der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter jedoch positiv zu dem erzielten Kompromiss, der die realen Kräfteverhältnisse widerspiegelt. »Alle wussten, dass das Ergebnis nur durch Streik zu erzielen war«, beschreibt Thorsten Ruhland die Stimmung in Bremen. »Aber alle hatten sich auch ein bisschen mehr erhofft, auch mehr Druck auf EDS.« Immerhin konnte erreicht werden, dass nur noch maximal 500 von ursprünglich 839 Arbeitsplätzen, die EDS abbauen wollte, wegfallen. Und auch von diesen dürfen nur 300 Stellen über betriebsbedingte Kündigungen abgebaut werden. Überzeugt hat viele Beschäftigte schließlich auch das Abfindungsprogramm, über das diejenigen, die freiwillig aus dem Unternehmen ausscheiden, gut dotierte Abfindungen erhalten.
Aus anderen IT-Unternehmen erhielten die EDS-Beschäftigten viel Lob für das hart erkämpfte Ergebnis. Auch die beteiligten Gewerkschaften machten ihnen Mut. »Euer Kampf ist beispielhaft für die IT-Branche und dafür, dass auch technische Expertinnen und Experten Solidarität brauchen, wenn sie Verbesserungen erreichen wollen«, sagte Helga Schwitzer, für die Tarifpolitik und die IT-Branche zuständiges Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Auch Michael Jäkel, Bundesfachgruppenleiter Informationstechnologie, Datenverarbeitung bei der Gewerkschaft Verdi betonte: »Als eine der mit am besten gewerkschaftlich organisierten IT-Belegschaften ist es Euch gelungen, den geplanten Personalabbau einzudämmen. Die EDS-Beschäftigten gehen als solidarische Gemeinschaft zu Hewlett Packard.« Gerade darin sieht die IG Metall durchaus Chancen für die Zukunft. »Gewerkschaftliche Strukturen werden es auch bei HP ermöglichen, Verbesserungen durchzusetzen«, so Helga Schwitzer.
Juli 2009


