Auch in diesem Jahr ist Green-IT auf der CeBIT ein Schwerpunktthema. Und mit gut 2000 Quadratmetern in Halle 8 beachtlich präsentiert. Doch trotz öffentlicher Präsentation und Förderung bleiben die Effekte von Green-IT in der Praxis bescheiden.
IT-Hersteller wie IBM, Fujitsu HP und Dell ziehen sich aus dem Segment zurück, um sich gewinnbringenderen Produkten zuzuwenden. Klein- und Mittelbetriebe kümmern sich kaum um das Thema. Und nur wenige Unternehmen nutzen die angebotenen Förderprogramme, um ihre Infrastruktur umweltfreundlicher und ressourcensparender auszugestalten.
In den nächsten zehn Jahren rechnen Energieexperten damit, dass der Energieverbrauch durch IT und Telekommunikation um 16 bis 20 Prozent steigen könnte. Dabei lassen sich mit überschaubaren Mitteln bereits heute rund 40 Prozent der Energieausgaben einsparen. Gerade in Krisenzeiten, so Martin Jettner, Mitglied des Bitkom-Präsidiums, böte Green-IT den Unternehmen hervorragende Möglichkeiten, Kosten zu reduzieren. Aber auch auf der Verbraucherseite könne der Klimawandel »mit innovativen ITK-Technologien« eingedämmt werden.
Zwar gibt es bereits einen europäischen Leitfaden für Energieeffizienz im Rechenzentrum. Und einzelne Großunternehmen haben sich bereits freiwillig verpflichtet, den Energieverbrauch ihrer IT-Produkte oder Rechenzentren im Rahmen vereinbarter Ziele zu senken. Aber wenngleich sich Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt und der Branchenverband Bitkom darum bemühen, Green-IT stärker den Weg zu ebenen: Der Erfolg bleibt bescheiden. »Die Nachfrage nach Fördermitteln ist schleppend«, sagt Florian König, Projektmanager Kommunikation beim Green-IT-Beratungsbüro von Bitkom. »Die Unternehmen, die sich melden, sind schon recht aktiv: Server-Virtualisierung, Energiemanagement-Software, bauliche Reorganisation von Rechenzentren sowie Klimatisierung sind nur einige Maßnahmen. Der Kreis der Nicht-Handelnden und Unwissenden ist aber nach wie vor groß.«
Warten, bis die CO2-Reduktion von außerhalb vorgeschrieben wird, wie dies beispielsweise demnächst in Großbritannien geschieht? Besser wäre, die angebotenen Förderprogramme etwa der Kreditanstalt für Wiederaufbau oder des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geschickt zu nutzen, um in die Jahre gekommene Infrastrukturen mit vergleichsweise geringen eigenen Investitionen zu erneuern.
März 2010

