SIS: IG Metall und Gesamtbetriebsrat gegen Restrukturierungspläne

Trotz massiver Proteste der SIS-Belegschaften rückt das Siemens-Management von seinen Plänen nicht ab, die IT-Sparte Siemens IT Solutions and Services (SIS) grundlegend zu restrukturieren. Weltweit sind 4.200 Arbeitsplätze gefährdet.

Nach den an allen SIS-Standorten stattgefundenen Belegschaftsprotesten der vergangenen Wochen hat Siemens seine Restrukturierungspläne für die IT-Sparte Mitte März endlich konkretisiert. Von den zurzeit rund 9700 Beschäftigten in Deutschland sollen demnach rund 7.500 aus dem Konzern ausgegliedert und zu einem späteren Zeitpunkt in ein eigenständiges Unternehmen überführt werden. 2000 Stellen sollen dadurch entfallen. Weltweit plant das Unternehmen, 4.200 der insgesamt 35.000 SIS-Arbeitsplätze abzubauen.

IG Metall und Siemens-Gesamtbetriebsrat lehnen diese Pläne ab. Ihr Hauptkritikpunkt: Es gibt vonseiten des Managements kein tragfähiges wirtschaftliches Konzept, wie es die Belegschaft seit Wochen einfordert. Sie befürchten außerdem, dass das Unternehmen kurzfristig Kosten senken und insbesondere Entgelte einsparen will, statt langfristige zukunftsfähige Perspektiven zu entwickeln. »Die SIS-Beschäftigten leisten seit über drei Jahren einen Beitrag zur Kosteneffizienz«, sagt Dieter Scheitor, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Siemens und Aufsichtsratsmitglied. »Trotzdem hat es weder grundlegende Veränderungen im Management noch ein tragfähiges Konzept gegeben. Den Versuch, diese Versäumnisse mit einer neuen Sparrunde zu kompensieren, lehnen wir ab.«

Auch für Lothar Adler, Gesamtbetriebsratsvorsitzender und ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrats steht fest: »Die ungeklärte Zukunft von über 2000 Beschäftigten, die nicht in die künftige SIS wechseln, ist für uns nicht hinnehmbar. Diese Arbeitsplätze einfach abzuwickeln, wird der Verantwortung von Siemens für überwiegend langjährige Mitarbeiter in keiner Weise gerecht.«

Siemens hat vor, die SIS bereits zum 1. Juli 2010 zu verselbständigen. Auch diesen Zeitpunkt kritisieren IG Metall und Gesamtbetriebsrat als verfrüht, da es bis dahin kaum gelänge, die im Vorfeld zwingend erforderliche Zuordnung zu den betrieblichen Einheiten umzusetzen.

Dass die Belegschaften an den Standorten die Position des Managements nicht einfach hinzunehmen bereit ist, zeigt sich auch darin, dass die IG Metall bei den Betriebsratswahlen erheblich zulegen konnte. Auch die Wahlbeteiligung stieg durchweg an allen Standorten.

März 2010

| nach oben | drucken | Stand: 19.03.2010