Im Jahr 2015 wird der Anteil der über 50-Jährigen an der Belegschaft auch in der jungen Informations- und Kommunikationsbranche auf 40 Prozent gestiegen sein. Auf den demografischen Wandel reagieren die meisten Firmen nur schleppend. Wenn überhaupt. Ein Blick hinter die Kulissen.
Beim Thema Ältere in der ITK-Branche ist es wie mit dem Kaninchen vor der Schlange. »Jeder ist sich der Tatsachen bewusst, aber keiner tut was, um sich dem demografischen Wandel zu stellen«, bringt es Monika Neumann auf den Punkt: Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Software AG (SAG) Deutschland in Darmstadt spricht vom »Quartalsdenken«: »Langfristige Personalstrategien fallen unter den Tisch«, kritisiert sie, »Wir haben einfach zu wenig Personal, als dass sich jemand kontinuierlich um dieses Thema kümmern könnte.«
Allerdings, so die Betriebsrätin, gibt es bei der SAG keinen ausgeprägten Jugendwahn. »Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 45 Jahren.« Das Unternehmen besteht schon lange, »und viele sind immer dabei geblieben«, erklärt sie. Viele der Produkte seien über Jahrzehnte schrittweise gereift. Deshalb sei das Know-how auch der Älteren immer noch gefragt. Jedoch sind auch hier wachsende Arbeitsverdichtung und ein atemloses Tempo an der Tagesordnung. »An den Krankenständen lässt sich das bisher nicht ablesen, aber am allgemein wachsenden Frust«, sagt sie. Für Herbert Schiller, Betriebsratsvorsitzender bei T-Systems Enterprise Services, fallen beim Thema »Alternde Belegschaft« Erkenntnis und Handeln oft weit auseinander. »Statt junge Menschen einzustellen und ihnen langfristige berufliche Perspektiven zu bieten, werden Arbeitsplätze in Near- und Offshore-Länder verlagert. Parallel dazu bietet man älteren Kolleginnen und Kollegen so genannte sozial verträgliche Lösungen an.«


