IT-Beschäftigte leiden unter gravierenden psychischen Problemen

IT-Beschäftigte leiden unter gravierenden gesundheitlichen – insbesondere psychischen – Problemen. Bedenklich stimmende Zahlen hat jetzt das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Rhein-Ruhr-Universität Essen und Duisburg zusammengestellt.

IT-Beschäftigte in Projekten der Softwareentwicklung und -beratung leiden bis zu viermal so häufig unter psychosomatischen Beschwerden (chronische Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenbeschwerden) wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer/-innen in Deutschland. Bei 40 Prozent von ihnen hat die chronische Erschöpfung – ein Frühindikator für Burn-out – zugenommen. Ein knappes Drittel hat Probleme, sich zu erholen. Der Gebrauch von Antidepressiva liegt bei IT-Mitarbeitern/-innen um 60 Prozent, der von Psychopharmaka um 91 Prozent höher als im Durchschnitt aller Beschäftigten.

Als einen möglichen Grund für zunehmende gesundheitliche Probleme von IT-lern sieht das RISP in der Projektarbeit. IT-Beschäftigte würden meist in mehreren parallel laufenden Projekten arbeiten. Dabei komme es zu widersprüchlichen Arbeitsanforderungen, die als belastend erlebt werden. Außerdem bekämen immer mehr Kunden vereinbarungsgemäß einen unmittelbaren Zugriff auf die IT-Mitarbeiter/-innen. Die Arbeit bei den Kunden schränke die Kommunikation mit dem Betrieb ein. Der Vorgesetzte sei meist weit weg.

Als einen weiteren möglichen Grund nennt das Institut neue Managementkonzepte: IT-Beschäftigte würden häufig nur noch einzelne Module und nicht mehr übergreifende Prozesse bearbeiten. Zudem müssten sie vereinbarte Ziele bei einer stärkeren Kunden- und Marktorientierung selbst organisiert erreichen. Schließlich habe sich die Leistungsbeurteilung verschärft: Dies fördere die Tendenz, die Arbeitszeit auszuweiten und die Arbeit zu intensivieren.

Hinzu kommen nach Ansicht des RISP zwei neue Unsicherheiten:
• »Früher galten IT-Arbeitsplätze als sicher. Das ist heute nicht mehr der Fall. Genauso wie die Arbeitslosigkeit selbst ist die Angst vor der Arbeitslosigkeit ein eminent belastender Faktor.«
• »Der demografische Wandel erreicht auch die IT-Branche – und trifft dort auf eine Unternehmenskultur, die auf ›Jugendlichkeit‹ eingerichtet ist. Innerhalb dieser Kultur gelten Ältere dann vielfach als ›Low Performers‹ oder ›Auslaufmodell‹.«

Juni 2008

| nach oben | drucken | Stand: 19.06.2008